Entwicklung der Arbeitsmarktintegration

Rund 54 Prozent der 2015 nach Deutschland Geflüchteten waren 2021 erwerbstätig. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die am 27. Juli 2023 veröffentlicht wurde. Demzufolge stieg die Erwerbstätigkeit von Geflüchteten gegenüber dem Pandemiejahr 2020 um zehn Prozentpunkte an. Die Studie bestätigt damit Zahlen, die die Bundesagentur für Arbeit (BA) Anfang des Monats vorgelegt hatte.

Gesellschaftliche Sensibilisierung wächst

Das Interesse am Thema Gleichbehandlung ist in der Gesellschaft in den letzten fünfzehn Jahren gestiegen und Antidiskriminierungspolitik findet in der Bevölkerung stärkere Unterstützung. Der Studie „Diskriminierung in der Einwanderungsgesellschaft“ der Bertelsmann Stiftung zufolge geben zudem heute mehr Personen als in früheren Studien an, selbst ethnische, rassistische oder religiöse Diskriminierung erlebt zu haben. Zugleich sehen mehr Menschen Handlungsbedarf.

Fachkräftemangel und Ausbildung im Handwerk

In den letzten zehn Jahren wurden – mit Ausnahme der Zeit Corona-bedingter Einschränkungen – immer mehr Handwerker:innen gesucht. So wurden im Jahr 2022 rund 236.818 offene Stellen in Handwerksberufen ausgeschrieben – mehr als die Hälfte davon (128.891) konnten nicht besetzt werden. Dies geht aus einer neuen Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) hervor. Zugleich ging die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zurück – sowohl in einigen Handwerksberufen als auch in der Summe aller Ausbildungsberufe insgesamt.

Mehr Geflüchtete in Beschäftigung

Die Beschäftigung von Geflüchteten ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das geht aus einer neuen Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die das Redaktionsnetzwerk Deutschland ausgewertet hat. Demnach lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Geflüchteten im Jahr 2015 bei weniger als 100.000. Bis einschließlich Juni 2023 kletterte sie auf mehr als 500.000.

Chancenaufenthaltsgesetz

Seit Jahresbeginn haben in Deutschland mindestens 49.000 Menschen das neue „Chancenaufenthaltsrecht“ beantragt. Laut einer Umfrage des Mediendienst Integration wurden bundesweit bisher rund 17.000 Anträge bewilligt und rund 2.100 Anträge abgelehnt. Das Chancenaufenthaltsgesetz ist seit dem 31. Dezember 2022 in Kraft. Es soll gut integrierten Ausländern eine Perspektive bieten, in Deutschland zu bleiben.

Weltflüchtlingstag

Am 4. Dezember 2000 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 20. Juni zum Weltflüchtlingstag erklärt. Dieser Tag ist den Binnenvertriebenen, Asylsuchenden, Flüchtlingen und Staatenlosen auf der ganzen Welt gewidmet. Derzeit sind weltweit nach Schätzungen des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht, doppelt so viele Menschen als noch vor zehn Jahren.

Vielfalt feiern

Zum Deutschen Diversity-Tag am 23. Mai sind in Berlin zahlreiche Aktionen geplant. Der mittlerweile elfte Aktionstag unter dem Motto: #VielfaltVerbindet ruft Betriebe und Beschäftigte dazu auf, sich mit dem Thema Vielfalt auseinanderzusetzen und sich für eine offene und tolerante Gesellschaft einzusetzen. Auch von der Fernsehcouch aus kann der Tag gefeiert werden: die ARD wird Vielfalt und Diversität in den Mittelpunkt ihrer Programme rücken.

Erwerbschancen geflüchteter Frauen

Frauen mit Fluchthintergrund haben es schwer auf dem Weg in den Arbeitsmarkt, fassen dort aber immer besser Fuß. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Demnach steigt die Erwerbsbeteiligung geflüchteter Frauen langsam an, liegt aber weiter auf einem niedrigen Niveau. Als größte Hemmnisse für die berufliche Integration nennt die Studie mangelnde Bildung und Sprachkenntnisse sowie traditionelle Rollenbilder.

Factsheet Diversity

54 Prozent der mittelständischen Unternehmen sehen den Fachkräftemangel bereits heute als Risiko. Frauen verdienen immer noch rund 18 Prozent weniger als Männer. Die Erwerbsbeteiligung von Menschen mit Behinderungen steigt – das aktuelle Factsheet der Initiative „Charta der Vielfalt“ bietet die neusten Zahlen und Daten zu Vielfaltsdimensionen wie Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft oder Religion, die in der Arbeitswelt eine immer größere Rolle spielen.